KI-generiertDu suchst eine Stelle bei einem Konzern mit Englisch als Arbeitssprache, oder Recruiter aus dem Ausland schreiben dich an und bekommen ein Profil voller deutscher Begriffe zu sehen. Spätestens dann stellt sich die Frage: Profil komplett auf Englisch umstellen, beide Sprachen mischen oder ein zweites Profil anlegen? Die Antwort hängt davon ab, wo du suchst. Und wie gut die englische Fassung wirkt, hängt weniger von deinem Wortschatz ab als davon, ob du übersetzt oder neu schreibst.
Welche Sprache dein Hauptprofil haben sollte
Die Regel ist einfach: Das Hauptprofil steht in der Sprache des Marktes, in dem du die meisten Stellen suchst. Wer in Deutschland, Österreich oder der Deutschschweiz bleiben will und Englisch als Zusatz braucht, behält Deutsch als Hauptsprache und legt ein englisches Zweitprofil an. Wer gezielt international sucht oder schon in einem englischsprachigen Umfeld arbeitet, stellt das Hauptprofil auf Englisch und ergänzt bei Bedarf ein deutsches.
Was du nicht tun solltest: beide Sprachen in einem Profil mischen. So sieht das typischerweise aus: Slogan auf Englisch, Info-Text auf Deutsch, die Stationen halb und halb. Für Leser:innen beider Sprachen wirkt das unfertig, und die Suche findet dich mit keinem der beiden Begriffe zuverlässig.
In der Schweiz kommt eine Besonderheit dazu. Wer in die Romandie oder ins Tessin will, braucht eher ein französisches oder italienisches Zweitprofil als ein englisches. Englisch hilft dort vor allem bei international ausgerichteten Unternehmen.
So funktioniert das Zweitprofil bei LinkedIn
LinkedIn bietet an, zusätzlich zum Hauptprofil ein Profil in einer weiteren Sprache anzulegen. Laut LinkedIn-Hilfe geht das derzeit über die Desktop-Version, über dein eigenes Profil und die Option für ein Profil in einer anderen Sprache, nicht über die App. Die Texte übersetzt LinkedIn nicht für dich, du schreibst sie selbst in die Felder des Zweitprofils. Welche Fassung jemand sieht, richtet sich nach dessen Spracheinstellung, gibt es keine passende, erscheint das Hauptprofil. Da LinkedIn Menüs und Funktionen immer wieder ändert, prüfe die genauen Schritte in der Hilfe, bevor du loslegst.
Für dich heißt das: Ein Recruiter in London mit englischer Oberfläche sieht deine englische Fassung, eine Personalerin in Graz mit deutscher Oberfläche die deutsche. Du musst dich nicht für eine Sprache entscheiden, solange beide Fassungen gepflegt sind.
Den Slogan nicht übersetzen, sondern neu schreiben
Der Slogan unter deinem Namen ist das, was in Suchergebnissen und bei Kommentaren zuerst erscheint. Wörtliche Übersetzungen fallen hier sofort auf. Ein typischer Fehler: Aus „Leiterin Buchhaltung | Bilanzierung | Teamführung“ wird „Head of Accounting | Balancing | Team Leadership“. „Balancing“ versteht im Rechnungswesen niemand als Bilanzierung. Besser: „Head of Accounting | Financial Statements under HGB and IFRS | Leading a Team of Eight“.
Schreib den Slogan so, als würdest du dich auf Englisch in einem Satz vorstellen, und nimm die Begriffe, die in englischen Stellenanzeigen für deine Rolle stehen. Such dazu fünf passende Anzeigen auf Englisch und notiere dir die Titel, die dort vorkommen. Mehr zum Aufbau eines guten Slogans steht im Beitrag zur LinkedIn-Headline.
Jobtitel und Abschlüsse, die es auf Englisch so nicht gibt
Viele Begriffe aus dem DACH-Raum haben keine direkte Entsprechung. Hier hilft eine kurze Erklärung in Klammern statt einer erfundenen Übersetzung. Aus „Prokurist“ wird „Authorised Signatory (Prokura)“, aus „Sachbearbeiterin Personal“ eher „HR Administrator“. Eine deutsche Ausbildung schreibst du als „Apprenticeship as Industrial Clerk (3-year dual vocational training, Germany)“, damit klar ist, dass es sich um eine vollwertige Berufsausbildung handelt und nicht um ein Praktikum.
Bei Schulabschlüssen gilt dasselbe. „Matura (Austrian university entrance qualification)“ oder „Abitur (German university entrance qualification)“ erklären sich selbst. Eine Fachhochschule ist eine „University of Applied Sciences“, ein Meisterbrief ein „Master Craftsman Certificate (Meisterbrief)“. Für das Schweizer EFZ ist „Federal VET Diploma (EFZ)“ gebräuchlich.
Wenn du schon einen englischen Lebenslauf hast, übernimm die Begriffe von dort, damit beide Unterlagen zusammenpassen. Wie du den aufbaust, erklärt der Artikel Lebenslauf auf Englisch.
Der Info-Text: auf Englisch direkter
Deutsche Info-Texte beginnen oft mit Eigenschaften. Auf Englisch wirkt das schnell leer. So liest es sich falsch: „I am a highly motivated team player with a passion for numbers and many years of experience.“ Besser ist ein Satz, der zeigt, was du tust und für wen: „I run the monthly closing for a mid-sized manufacturer and have cut the time it takes from eight to four working days.“
Schreib aus deiner eigenen Sicht und in kurzen Sätzen. Englische Profile dürfen persönlicher klingen als deutsche, ohne lässig zu werden. Ein guter Abschluss des Info-Textes sagt, wofür man dich ansprechen kann: „I am open to conversations about finance roles in Vienna or remote positions within the EU.“
Sprachkenntnisse ehrlich angeben
Im Abschnitt Sprachen fragt LinkedIn nach einer Einstufung, etwa von „Elementary proficiency“ bis „Native or bilingual proficiency“. Wähle die Stufe, mit der du ein Telefonat mit einem Recruiter auf Englisch führen könntest. Wer sein Profil mit Übersetzungsprogramm schreibt und „Full professional proficiency“ angibt, fällt spätestens im ersten Gespräch auf. Als Orientierung helfen die Stufen A1 bis C2 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens. Wie du sie im Lebenslauf angibst, steht im Artikel zu Sprachkenntnissen im Lebenslauf.
Ein englisches Profil ist auch ein Signal. Wer es anlegt, sagt damit, dass Gespräche auf Englisch möglich sind. Wenn dein Englisch dafür noch nicht reicht, ist ein gut gepflegtes deutsches Profil die bessere Wahl.
Open to Work und Jobtitel in beiden Sprachen
Wenn du die Funktion Open to Work nutzt, kannst du dort Jobtitel hinterlegen, nach denen du suchst. Recruiter suchen häufig nach englischen Titeln, auch im DACH-Raum, etwa „Project Manager“ statt „Projektleiter“. Trag deshalb beide Fassungen ein, soweit LinkedIn das zulässt. Wann die Funktion dir hilft und wann nicht, erklärt der Beitrag LinkedIn Open to Work.
Wenn du das Profil lieber nicht selbst schreiben willst: Tonis Bewerbungshilfe erstellt LinkedIn-Profile auf Deutsch und Englisch und auf Wunsch den passenden englischen CV.
Bevor du das Zweitprofil freischaltest
Stell die Sprache deiner LinkedIn-Oberfläche testweise auf Englisch und ruf dein Profil über einen privaten Browser-Tab auf, dann siehst du ungefähr, was andere sehen. Lies den Slogan laut vor. Klingt er wie etwas, das du in einem Vorstellungsgespräch sagen würdest? Dann vergleiche Jobtitel und Daten mit deinem englischen Lebenslauf, Abweichungen fallen Recruitern auf. Und wenn du jemanden kennst, der täglich auf Englisch arbeitet, schick ihm den Info-Text mit der Bitte, nur die Stellen zu markieren, die ungewöhnlich klingen. Das dauert zehn Minuten und findet die Fehler, die kein Übersetzungsprogramm sieht.
Häufige Fragen
Sollte mein LinkedIn-Profil auf Deutsch oder Englisch sein?
In der Sprache des Marktes, in dem du hauptsächlich suchst. Wer im DACH-Raum bleibt, nimmt Deutsch als Hauptsprache und ergänzt ein englisches Zweitprofil. Wer international sucht, nimmt Englisch als Hauptsprache.
Kann ich bei LinkedIn ein zweites Profil in einer anderen Sprache anlegen?
Ja. Laut LinkedIn-Hilfe legst du es über dein eigenes Profil in der Desktop-Version an. Die Texte schreibst du selbst, LinkedIn übersetzt sie nicht automatisch.
Welche Sprachfassung sehen andere?
Das richtet sich nach der Spracheinstellung der Person, die dein Profil aufruft. Gibt es keine passende Fassung, sieht sie dein Hauptprofil.
Darf ich Deutsch und Englisch in einem Profil mischen?
Davon ist abzuraten. Ein gemischtes Profil wirkt unfertig und wird mit Suchbegriffen beider Sprachen schlechter gefunden. Zwei saubere Fassungen sind besser.
Wie übersetze ich eine Ausbildung oder Lehre ins Englische?
Mit einer kurzen Erklärung in Klammern, zum Beispiel „Apprenticeship as Industrial Clerk (3-year dual vocational training, Germany)“. So ist klar, dass es eine vollwertige Berufsausbildung ist.
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