KI-generiertDu gehst noch zur Schule, hast noch nie gearbeitet und sollst einem Betrieb auf einer Seite erklären, warum gerade du dort Tischlerin, Koch oder Elektroniker lernen willst. Das fühlt sich schwer an, weil du scheinbar nichts vorzuweisen hast. Lehrbetriebe wissen das. Sie erwarten keine Berufserfahrung. Sie suchen nach Hinweisen, dass du den Beruf wirklich willst, verlässlich bist und drei oder vier Jahre durchhältst. Dieser Artikel zeigt, wie du diese Hinweise in Bewerbungsschreiben und Lebenslauf bringst und was in Österreich, der Schweiz und Deutschland anders läuft.
Lehrstelle, Lehre, Ausbildungsplatz: welches Wort wohin gehört
In Österreich und der Schweiz bewirbst du dich um eine Lehrstelle. In Österreich wirst du Lehrling, in der Schweiz sagt man meist Lernende oder Lernender. Der Betrieb heißt in beiden Ländern Lehrbetrieb. In Deutschland heißt dasselbe Ausbildung oder Ausbildungsplatz. Du bist dann Auszubildende oder Auszubildender (kurz Azubi) und der Betrieb ist der Ausbildungsbetrieb.
Nimm im Bewerbungsschreiben das Wort, das der Betrieb in seiner Anzeige verwendet. Wer sich bei einer Tiroler Tischlerei um einen „Ausbildungsplatz“ bewirbt, wirkt, als hätte er einen deutschen Mustertext übernommen. In der Schweiz kommt ein Begriff dazu, den du kennen solltest: das Bewerbungsdossier. Gemeint sind alle Unterlagen zusammen, also Brief, Lebenslauf, Zeugnisse und Schnupperberichte.
Wo du freie Lehrstellen findest
In Österreich zeigt die Lehrstellenbörse von AMS und WKO freie Lehrstellen aus ganz Österreich, mit Angaben zu Betrieb, Lehrlingsentschädigung, Ort und Beginn. Bei vielen Stellen lädst du deine Unterlagen direkt auf der Plattform hoch. In der AMS-Stellensuche „alle jobs“ setzt du im Filter Dienstverhältnis das Häkchen bei Lehrstelle, dann siehst du nur Lehrstellen.
In der Schweiz suchst du über die Lehrstellensuche von berufsberatung.ch. Laut berufsberatung.ch sind die freien Lehrstellen ab August abrufbar. In Deutschland führt die Bundesagentur für Arbeit eine Ausbildungssuche, die es auch als AzubiWelt-App gibt.
Viele kleine Betriebe schreiben ihre Lehrstellen nirgends aus. Ruf dort an und frag direkt: „Guten Tag, ich heiße Lena Huber und suche eine Lehrstelle als Malerin ab nächstem Herbst. Nehmen Sie im kommenden Jahr Lehrlinge auf?“ Das Telefonat dauert zwei Minuten. Wenn die Antwort ja ist, fragst du gleich nach dem Namen der Person, an die deine Bewerbung gehen soll.
Leg dir eine Liste an, wo du dich beworben hast und wer schon geantwortet hat. Das empfiehlt auch berufsberatung.ch, denn bei zwanzig offenen Bewerbungen verlierst du sonst den Überblick.
Was ins Bewerbungsdossier gehört
Das AMS nennt zwei Pflichtteile: Bewerbungsschreiben und Lebenslauf. Dazu kommen deine letzten Schulzeugnisse. Hast du Schnupperberichte oder Empfehlungen, legst du sie ebenfalls bei. Ein guter Schnupperbericht wiegt oft mehr als eine Note, weil er zeigt, wie du dich im Betrieb wirklich verhältst.
Die Bezeichnungen unterscheiden sich wieder. In der Schweiz heißt das Kennenlernen im Betrieb Schnupperlehre, in Österreich Schnuppertage oder berufspraktische Tage, in Deutschland meist Schülerpraktikum. Schreib in den Lebenslauf das Wort, das in deinem Land üblich ist.
Schickst du die Bewerbung per Mail, fasst du alles in einer PDF-Datei zusammen. Wie Betreff, Mailtext und Dateiname aussehen sollten, steht im Artikel Bewerbung per E-Mail. Verwende eine Mailadresse mit deinem Vor- und Nachnamen. Eine Adresse wie „dragonkiller2011@…“ landet bei manchen Betrieben direkt im Papierkorb, egal wie gut der Brief ist.
Das Bewerbungsschreiben: drei Absätze reichen
Ein Bewerbungsschreiben für eine Lehrstelle muss keine ganze Seite füllen. Drei Absätze genügen, wenn jeder davon etwas Konkretes sagt.
Der häufigste Fehler steht im ersten Satz. So liest es sich falsch: „Hiermit bewerbe ich mich um eine Lehrstelle als Einzelhandelskauffrau. Ich bin teamfähig, zuverlässig und motiviert.“ Diese zwei Sätze schreiben hunderte andere genauso. Besser ist ein Satz, der zeigt, woher dein Interesse kommt: „Bei meinen Schnuppertagen in Ihrer Filiale habe ich zwei Tage lang Ware eingeräumt und Kundinnen in der Umkleide beraten. Seitdem weiß ich, dass ich im Verkauf arbeiten will.“
Im zweiten Absatz zeigst du, was du schon mitbringst. Das muss nichts Großes sein. Ein Hobby, ein Schulprojekt oder eine Aufgabe in der Familie reicht, wenn es zum Beruf passt. Für eine Lehre als Kfz-Technikerin könnte das so klingen: „Seit zwei Jahren repariere ich die Fahrräder in unserer Familie selbst. Die Werkzeuge dafür habe ich mir vom Taschengeld gekauft.“ Für eine kaufmännische Lehre: „In der Schülerzeitung kümmere ich mich um die Anzeigen der Sponsoren und führe dafür eine Excel-Liste mit Beträgen und Zahlungsterminen.“
Erkläre auch, warum dieser Betrieb. Ein ehrlicher Grund ist besser als ein Lob, das auf jede Firma passt: „Ihr Betrieb bildet in der Holztechnik aus und ist mit dem Bus 20 Minuten von mir entfernt. So bin ich jeden Morgen pünktlich in der Werkstatt.“
Im dritten Absatz bietest du an, den Betrieb kennenzulernen. Nenne dafür konkrete Tage: „Gerne komme ich zu einer Schnupperlehre zu Ihnen. In den Herbstferien von 27. bis 31. Oktober habe ich Zeit.“ Damit muss der Betrieb nicht nachfragen. Wer beim Formulieren Unterstützung möchte, findet sie bei Tonis Bewerbungshilfe für das Anschreiben.
Der Lebenslauf ohne Berufserfahrung
Dein Lebenslauf ist kurz, das ist normal. Oben stehen deine persönlichen Daten mit Adresse, Telefonnummer und Mail. Danach folgt die Schulbildung, die aktuelle Schule zuerst. Dann kommen Schnuppertage oder Praktika, danach Sprachen und Computerkenntnisse, ganz unten Interessen.
Bei den Schnuppertagen reicht der Name des Betriebs nicht. Nenne in einer Zeile, was du dort gemacht hast. Eine Beispielzeile: „10/2026 Schnupperlehre Malerei, Muster GmbH (3 Tage): Wände abgeklebt, Farbe gemischt, Untergrund vorbereitet“. Diese Zeile sagt dem Lehrbetrieb mehr als jedes Adjektiv.
Interessen sind bei einer Lehrstellenbewerbung wichtiger als später im Berufsleben, weil sonst wenig im Lebenslauf steht. Schreib sie konkret. Statt „Sport“ lieber „Fußball im Verein seit 2019, Training zweimal pro Woche“. Wie du Hobbys auswählst und formulierst, steht im Artikel Hobbys im Lebenslauf. Mehr Ideen für Unterlagen ohne Berufserfahrung findest du unter Bewerbung ohne Berufserfahrung.
Ein Foto ist in Österreich und der Schweiz bei Lehrstellen üblich, in Deutschland ist es freiwillig. Wenn du eines verwendest, nimm ein ruhiges Porträt vor hellem Hintergrund, kein Urlaubsfoto und kein Selfie. Für das Layout gilt: eine Seite, eine Schrift, klare Abstände. Wer den Lebenslauf lieber gestalten lassen will, findet bei Tonis Bewerbungshilfe Hilfe für den Lebenslauf.
Probezeit: was nach der Zusage gilt
Hast du die Zusage, beginnt das Lehrverhältnis mit einer Probezeit. In Deutschland dauert sie nach § 20 BBiG mindestens einen und höchstens vier Monate. In Österreich können nach § 15 Berufsausbildungsgesetz beide Seiten das Lehrverhältnis in den ersten drei Monaten jederzeit einseitig auflösen. Besuchst du in dieser Zeit eine lehrgangsmäßige Berufsschule, gilt das für die ersten sechs Wochen im Lehrbetrieb.
In der Schweiz muss der Lehrvertrag nach Art. 344a des Obligationenrechts schriftlich sein. Die Probezeit dauert einen bis drei Monate. Steht nichts im Vertrag, gelten drei Monate. Mit Zustimmung der kantonalen Behörde kann sie ausnahmsweise auf sechs Monate verlängert werden.
Für dich heißt das: In den ersten Wochen schaut der Betrieb genau hin. Pünktlichkeit, Fragen stellen und Aufgaben zu Ende bringen zählen dann mehr als jede Schulnote.
Wenn Absagen kommen
Absagen gehören zur Lehrstellensuche, auch bei guten Unterlagen. Nutze sie. Ruf bei einer Absage freundlich an und frag nach: „Darf ich kurz fragen, was in meiner Bewerbung gefehlt hat? Ich möchte es beim nächsten Betrieb besser machen.“ Nicht jeder Betrieb antwortet, aber manche geben dir einen Hinweis, den du sofort umsetzen kannst.
Hörst du nach zwei Wochen gar nichts, darfst du nachfragen. Wie das ohne Drängeln geht, erklärt der Artikel Nach Bewerbung nachfragen.
Hol dir außerdem Hilfe, die kostenlos ist. In Österreich kannst du dich laut AMS als lehrstellensuchend melden und einen Beratungstermin vereinbaren. In der Schweiz helfen die Berufsberaterinnen und Berufsberater im BIZ deines Kantons. In Deutschland ist die Berufsberatung der Agentur für Arbeit zuständig. Nimm zu diesem Termin deine Liste mit allen Bewerbungen mit, dann sieht die Beraterin sofort, wo es hakt.
Hinweis: Dieser Artikel ist eine allgemeine Einschätzung und keine Rechtsberatung. Für Fragen zu deinem Lehrvertrag wende dich in Österreich an die Arbeiterkammer, in der Schweiz an das kantonale Amt für Berufsbildung, in Deutschland an die zuständige Kammer. Stand November 2026.
Häufige Fragen
Was gehört in eine Bewerbung um eine Lehrstelle?
Bewerbungsschreiben und Lebenslauf sind Pflicht, dazu kommen die letzten Schulzeugnisse. Hast du Schnupperberichte oder Empfehlungen, legst du sie bei. Per Mail schickst du alles als eine PDF-Datei.
Wie lang soll das Bewerbungsschreiben für eine Lehrstelle sein?
Drei kurze Absätze reichen: woher dein Interesse am Beruf kommt, was du schon mitbringst und wann du zum Schnuppern kommen kannst. Eine halbe bis eine ganze Seite ist genug.
Wann sind freie Lehrstellen in der Schweiz abrufbar?
Laut berufsberatung.ch sind die freien Lehrstellen für das nächste Lehrjahr ab August in der Lehrstellensuche abrufbar.
Was schreibe ich in den Lebenslauf, wenn ich noch nie gearbeitet habe?
Schule, Schnuppertage oder Praktika mit einer Zeile zu deinen Aufgaben, Sprachen, Computerkenntnisse und konkrete Interessen. Ein kurzer Lebenslauf ist bei einer Lehrstelle normal.
Wie lange dauert die Probezeit in der Lehre?
In Deutschland ein bis vier Monate, in Österreich können beide Seiten das Lehrverhältnis in den ersten drei Monaten jederzeit auflösen. In der Schweiz dauert sie ein bis drei Monate, ohne Vereinbarung drei.
Brauchst du Hilfe bei deiner Bewerbung?
Professionelle Bewerbungshilfe von Toni, persönlich und diskret.
Zur Bewerbungshilfe