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    Recruiting

    Ethik im Active Sourcing: Wo ich Grenzen ziehe

    14. Oktober 2026
    Ethik im Active Sourcing: Wo ich Grenzen zieheKI-generiert

    Fast im Sekundentakt ploppen die Nachrichten auf meinem Bildschirm auf, mal über LinkedIn, mal direkt per E-Mail. "Hallo Toni, wir haben da einen Kandidaten, der passt perfekt, wir zahlen natürlich eine Prämie" oder "Anto, wir bräuchten dringend jemanden für eine Führungsposition bei BASF in Ludwigshafen, kennst du jemanden zum Abwerben?". In solchen Momenten atme ich tief durch und schüttle oft den Kopf, denn als Bewerbungsberater mit einem riesigen Netzwerk im DACH-Raum erlebe ich täglich, wie die Grenzen des Anstands im Active Sourcing verschwimmen.

    Mein Name ist Anto Matijevic, aber die meisten nennen mich einfach Toni. Als Inhaber von Tonis Bewerbungshilfe und LinkedIn Top Voice habe ich mir einen Ruf aufgebaut, der auf absoluter Ehrlichkeit basiert. Personalabteilungen von Konzernen wie Siemens, Roche oder der Deutschen Bank wissen, dass ich Zugänge habe, die anderen verschlossen bleiben. Doch genau hier beginnt meine ethische Verantwortung, denn nicht alles, was technisch möglich ist, ist im Active Sourcing auch richtig.

    ## Meine Prinzipien der Transparenz

    Wenn ich als Brücke zwischen einem Unternehmen und einem potenziellen Kandidaten agiere, spiele ich mit offenen Karten. Ich bin kein verdeckter Agent. Wenn ich jemanden aus meinem Netzwerk kontaktiere, weil die Migros in der Schweiz eine spannende Stelle besetzt, nenne ich sofort den Namen des Unternehmens, die Position und meine Gründe.

    Manche Recruiter halten das für unpraktisch, weil sie Angst haben, der Kandidat könnte sich direkt bewerben oder sofort absagen. Ich sehe das anders, denn Versteckspiele führen nur zu Misstrauen und verbrannten Brücken. Ein Kandidat braucht alle Fakten, um eine fundierte Entscheidung zu treffen.

    ## Keine Abwerbung von aktuellen Kunden oder engen Kontakten

    Das ist für mich ein absolutes No-Go. Wenn ich mit einem Unternehmen wie der Erste Bank in Wien zusammenarbeite, werde ich niemals versuchen, deren Mitarbeiter abzuwerben. Das Gleiche gilt für meine eigenen Kunden, die mir in der Bewerbungshilfe ihre beruflichen Ziele und Ängste anvertrauen.

    Diese Insider-Informationen zu nutzen, um jemanden bei einem Mitbewerber unterzubringen, würde meine gesamte Glaubwürdigkeit zerstören. Mein Ruf ist mein Kapital, das setze ich nicht für eine schnelle Provision aufs Spiel. Ich setze auf langfristige Beziehungen statt auf kurzfristigen Profit.

    ## Nein zu unethischen Praktiken der Informationsbeschaffung

    Im Active Sourcing ist die Versuchung groß, Daten bis ins letzte Detail zu durchforsten oder Kontakte nur zu knüpfen, um an interne Infos zu gelangen. Für mich sind solche Praktiken tabu. Ich nutze ausschließlich explizit zugängliche Daten, die ein Kandidat selbst freigegeben hat.

    "Undercover-Anrufe" bei Unternehmen, um herauszufinden, ob ein Mitarbeiter unzufrieden ist, lehne ich strikt ab. Wir müssen respektvoll mit Daten umgehen und dürfen die Privatsphäre der Menschen nicht für den schnellen Erfolg opfern.

    ## Respekt vor der Privatsphäre (keine unerwünschten Kontaktaufnahmen)

    Stell dir vor, du arbeitest als hochspezialisierter Chirurg im Universitätsspital Zürich, bist glücklich mit deinem Job und wirst plötzlich grundlos mit einem Jobangebot in Berlin überrumpelt. Das fühlt sich belästigend an.

    Meine Kontaktaufnahmen sind immer zielgerichtet. Ich nehme mir die Zeit zu verstehen, was ein Kandidat wirklich suchen könnte, statt unpersönliche Massennachrichten zu verschicken. Kalte Pitches schaden dem Ruf der gesamten Branche.

    ## Ehrliche Positionsbeschreibung ohne rosarote Brille

    Ich werde niemals eine Position schönreden. Wenn eine Stelle bei SAP in Walldorf mit extrem viel Reisetätigkeit und einer hohen Fluktuation im Team verbunden ist, dann sage ich das offen. Ich bin Matchmaker, kein Verkäufer.

    Es bringt dem Unternehmen absolut nichts, jemanden mit falschen Versprechungen zu locken, der dann nach sechs Monaten frustriert kündigt. Das kostet alle Beteiligten nur Zeit und Geld.

    ## Vertraulichkeit als oberstes Gebot

    Alle Informationen über die Zukunftspläne eines Unternehmens wie der OMV in Wien oder die persönlichen Umstände eines Bewerbers (wie geplante Auszeiten oder familiäre Verpflichtungen) bleiben unter Verschluss.

    Diese Vertraulichkeit ist nicht verhandelbar. Nur wenn sich Menschen bei mir absolut sicher sein können, kann ich meine Rolle als Brückenbauer im DACH-Raum verantwortungsvoll ausüben.

    ## Warum sich eine klare Haltung langfristig auszahlt

    Manche halten meine Prinzipien für zu starr, doch für mich ist diese Ethik eine direkte Investition in Qualität. Natürlich verhindert dieser Weg manchmal die schnelle und einfache Provision. Am Ende des Tages führt er aber zu nachhaltigen Einstellungen, bei denen die Mitarbeiter wirklich im Unternehmen bleiben.

    Glaubwürdigkeit kann man nicht kaufen, aber man kann sie verdammt schnell verlieren.

    Häufige Fragen

    Was ist Active Sourcing?

    Active Sourcing ist die proaktive Suche nach potenziellen Kandidaten für offene Stellen, oft über soziale Medien, professionelle Netzwerke oder Datenbanken. Ziel ist es, geeignete Talente anzusprechen, die nicht aktiv auf Jobsuche sind.

    Warum ist Ethik im Active Sourcing so wichtig?

    Ethik gewährleistet Vertrauen und Respekt gegenüber Kandidaten und Unternehmen. Unethische Praktiken können den Ruf schädigen, zu Misstrauen führen und langfristig die Qualität der Personalbeschaffung beeinträchtigen.

    Welche Risiken birgt Active Sourcing ohne ethische Richtlinien?

    Ohne klare ethische Grenzen besteht die Gefahr von Privatsphärenverletzungen, unerwünschter Kontaktaufnahme, Manipulation von Kandidaten und dem Bruch von Vertraulichkeitszusagen, was zu negativen Langzeitfolgen führt.

    Wie gewährleiste ich als Kandidat trotz Active Sourcing meine Privatsphäre?

    Du kannst deine Profileinstellungen in sozialen Netzwerken prüfen und anpassen. Sei wählerisch bei der Annahme von Kontaktanfragen und teile sensible Informationen nur mit vertrauenswürdigen Ansprechpartnern, die transparent kommunizieren.

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