KI-generiertEin Freund von mir, Head of HR bei einer Bank in Zürich, erzählte mir neulich, dass sein CEO eine E-Mail vom Diversity & Inclusion Komitee bekam. Darin stand, dass im letzten Quartal nur 12 % der Neueinstellungen weiblich waren. Der CEO war, sagen wir mal, "not amused". Er fragte meinen Freund, wie das sein kann, wo sie doch so viel in Diversity investieren. Mein Freund zuckte mit den Schultern. Er hatte keine Ahnung, wie er das Problem angehen sollte, geschweige denn, wie er die Zahlen verbessern könnte, ohne am Ende Greenwashing zu betreiben. Er fühlte sich wie im Blindflug. Genau das ist das Problem vieler Unternehmen: Sie reden viel über Diversity, investieren Geld, aber messen die falschen Dinge oder gar nichts.
Das ist keine Seltenheit. Ich sehe das immer wieder in meinen Gesprächen mit HR-Verantwortlichen in München, Wien oder Basel. Man hat ein Budget für Diversity Workshops, ein paar nette Bilder auf der Karrierewebseite und vielleicht einen "Head of D&I", aber wenn es darum geht, den Impact zu quantifizieren, wird es dünn. Da wird dann auf die Anzahl der durchgeführten Workshops verwiesen oder auf die interne Umfrage zum Wohlbefinden, die aber nichts über den tatsächlichen Erfolg des Diversity Recruitings aussagt. Das ist wie ein Restaurant, das die Anzahl der Servietten zählt, statt die Anzahl der zufriedenen Gäste oder den Umsatz.
Ich bin kein Freund von halben Sachen. Wenn du Diversity ernst nimmst und nicht nur als Marketinginstrument missbrauchen willst, dann musst du es messbar machen. Und zwar von Anfang an. Welche konkreten KPIs taugen etwas? Welche Methodik steckt dahinter? Wie implementierst du das so, dass es nicht nur ein weiteres Reporting-Monster wird, sondern wirklich hilft, bessere Entscheidungen zu treffen und echte Fortschritte zu erzielen? Darum geht es heute.
1. Die Basis legen: Was wollen wir messen?
Bevor du überhaupt über KPIs nachdenkst, musst du dir klar werden, was du mit "Diversity Hiring" erreichen willst. Geht es um eine gleichmäßigere Geschlechterverteilung? Um mehr Menschen mit Migrationshintergrund? Um eine höhere Quote von Menschen mit Behinderung? Oder um eine größere Altersdiversität? Ohne klare Ziele bleiben alle Messungen am Ende meaningless. Ein globaler Konzern wie Siemens hat andere Herausforderungen als ein mittelständischer Softwareentwickler in Berlin. SAP beispielsweise legt großen Wert auf Geschlechterdiversität in Führungspositionen und hat hierfür konkrete globale Ziele definiert. Roche in Basel fokussiert sich neben dem Geschlecht auch stark auf die Nationalität der Mitarbeitenden, um ein global vernetztes Team zu fördern.
Oft höre ich: "Wir wollen einfach mehr Diversity." Das ist keine Zielsetzung, das ist ein Wunsch. Eine Zielsetzung wäre: "Wir wollen bis Ende 2025 den Anteil von Frauen in unseren Führungspositionen von aktuell 25 % auf 40 % erhöhen." Oder: "Wir wollen den Anteil von Bewerbern mit Migrationshintergrund in unseren Ingenieurberufen um 15 % steigern." Formuliere diese Ziele SMART (spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert). Nur so kannst du später überprüfen, ob du auf dem richtigen Weg bist. Ohne diese klare Definition sind alle nachfolgenden Metriken zwar vorhanden, aber ihre Relevanz bleibt im Dunkeln. Das ist wie ein GPS, das dir sagt, dass du dich bewegst, aber nicht, ob du dem Ziel näherkommst.
2. Den Bewerber-Pool analysieren
Die Qualität deines Bewerber-Pools ist der erste und oft entscheidende Engpass. Wenn du nur homogene Bewerbungen erhältst, kannst du am Ende noch so gewissenhaft auswählen, das Ergebnis wird sich kaum ändern. Deshalb ist der erste Schritt, die Diversität deines Bewerber-Pools zu messen. Hierfür gibt es konkrete KPIs, die du tracken solltest.
**Diversity im Bewerber-Pool (nach Demografie):** Erfasse die demografische Zusammensetzung deiner Bewerbungen für jede offene Stelle. Das umfasst Geschlecht, Alter, Nationalität/Herkunft, und (wo rechtlich und ethisch vertretbar) weitere Kriterien wie beispielsweise Behinderung. Wichtig: Dies geschieht natürlich auf freiwilliger Basis (Self-Declaration), anonymisiert und aggregiert. In der DACH-Region sind hier die Datenschutzbestimmungen zu beachten. Eine einfache Abfrage im Bewerbungsformular, die klarstellt, dass diese Daten nur für statistische Zwecke genutzt werden und keinen Einfluss auf die Auswahl haben, ist der gängige Weg. Tools wie Workday oder SuccessFactors bieten oft entsprechende Module, um diese Daten rechtskonform zu erfassen.
**Diversity im Sourcing Kanal:** Wo kommen deine Bewerber her? Wenn dein Bewerber-Pool nicht divers genug ist, musst du deine Kanäle überprüfen. Schaltest du Anzeigen nur bei LinkedIn und StepStone? Vielleicht erreichst du dort bestimmte Gruppen nicht. Engagiere dich bei spezifischen Netzwerken oder Talentpools, die auf Diversity ausgelegt sind. Beispiele wären "Women in Tech" Netzwerke, Organisationen für Menschen mit Behinderung oder Hochschul-Kooperationen mit Schwerpunkt auf internationale Studierende. Mess die Diversity-Score deines Bewerber-Pools pro Sourcing-Kanal. Ein hoher Anteil an Bewerberinnen über ein "Women in Engineering" Event bei Bosch in Stuttgart zeigt, dass dieser Kanal funktioniert.
3. Die Conversion Rates messen
Ein diverser Bewerber-Pool ist nur die halbe Miete. Wenn diese Vielfalt im Laufe des Bewerbungsprozesses wieder verloren geht, hast du nichts gewonnen. Hier kommen die Conversion Rates ins Spiel. Sie zeigen dir, an welchen Stellen du Kandidaten verlierst, die du eigentlich gewinnen möchtest. Wenn du willst, dass das ein Profi übernimmt, kannst du deine vom Profi schreiben lassen.
**Diversity im Interview-Pool:** Wie viele diverse Bewerber schaffen es in die erste Interviewrunde, in die zweite, und so weiter? Vergleiche die Demografie des Bewerber-Pools mit der des Interview-Pools auf jeder Stufe. Wenn beispielsweise der Anteil von Frauen im initialen Bewerber-Pool bei 40 % liegt, aber im Interview-Pool nur noch bei 20 %, hast du ein Problem im Screening-Prozess. Das kann an unbewussten Vorurteilen liegen (Unconscious Bias) oder an unklaren Kriterien in der Vorauswahl. Hier musst du genauer hinschauen: Wer trifft die Vorauswahl? Welche Kriterien werden angelegt? Könnte ein anonymer Bewerbungsprozess (wie er teils im öffentlichen Dienst, etwa beim ORF in Österreich, pilotiert wurde) hier Abhilfe schaffen?
**Offer Acceptance Rate nach Demografie:** Von den Kandidaten, denen du einen Job anbietest, wie viele nehmen an? Und gibt es hier Unterschiede nach demografischen Merkmalen? Vielleicht lehnst du mehr Angebote von internationalen Talenten ab, weil deine Benefits, wie Umzugshilfe oder Sprachkurse, nicht attraktiv genug sind. Oder weibliche Bewerberinnen lehnen ab, weil das Gehalt bei euch nicht konkurrenzfähig ist oder die Work-Life-Balance als Gerücht gilt. Trackst du diese Daten, kannst du gezielt Verbesserungen vornehmen. Eine niedrigere Offer Acceptance Rate bei Frauen für Ingenieurpositionen bei BMW in München könnte auf ein Problem mit der Unternehmenskultur oder der Gehaltsstruktur hindeuten. Das ist keine Spekulation, das ist ein messbarer Indikator.
4. Quality of Hire und Retention bewerten
Diversity Hiring ist kein Selbstzweck. Es geht darum, dass diese diversen Mitarbeiter auch erfolgreich im Unternehmen sind und bleiben. Wenn sie nach kurzer Zeit wieder gehen, war der ganze Aufwand umsonst. Deshalb musst du auch post-Hiring KPIs erfassen.
**Quality of Hire nach Demografie:** Das ist eine der schwierigsten, aber auch wichtigsten Metriken. Wie misst du die Qualität der Einstellung? Das geht oft über die Performance im ersten Jahr, Feedback von Vorgesetzten und Kollegen, oder das Erreichen von eingangs definierten Zielen. Vergleiche diese "Quality of Hire" Daten nach den demografischen Merkmalen. Wenn du feststellst, dass beispielsweise die Quality of Hire von älteren Neueinstellungen (z.B. über 50) signifikant höher ist als bei jüngeren, aber du nicht gezielt ältere Kandidaten ansprichst, dann verlierst du Potenzial. Viele Unternehmen, auch z.B. die Erste Bank in Wien, investieren in Programme, um die Performance und Integration neuer Mitarbeiter zu messen.
**Retention Rate nach Demografie:** Wie lange bleiben die verschiedenen demografischen Gruppen im Unternehmen? Eine hohe Fluktuation bei bestimmten Gruppen deutet auf Probleme hin. Vielleicht fühlen sich Frauen in Führungspositionen nicht wohl oder internationale Talente verlassen das Unternehmen, weil die Integration nicht funktioniert. Eine hohe Abwanderungsrate bei Mitarbeitern mit Behinderung könnte auf mangelnde Barrierefreiheit am Arbeitsplatz oder fehlende Unterstützungstrukturen hinweisen. Dies sind alles messbare Indikatoren für die Effektivität deiner Diversity Strategie. Wenn Novartis in Basel eine hohe Fluktuation bei ihren internationalen Forschenden hat, obwohl sie diese gezielt rekrutieren, dann ist das ein klares Signal, dass die Willkommenskultur oder die Karrieremöglichkeiten nicht passen.
5. Den Inclusion Index einbeziehen
Zahlen sind wichtig, aber sie erzählen nicht die ganze Geschichte. Ein reiner Fokus auf Quoten kann dazu führen, dass du zwar divers aussiehst, aber nicht inklusiv bist. Hier kommt der Inclusion Index ins Spiel.
**Inclusion Index (basierend auf Mitarbeiterbefragungen):** Ergänze die harten KPIs durch qualitative Daten. Führe regelmäßige, anonyme Mitarbeiterbefragungen durch, die Fragen zur Inklusion stellen. Fühlen sich Mitarbeiter respektiert? Werden ihre Meinungen gehört? Gibt es gleiche Chancen für Entwicklung und Beförderung? Werden Vorfälle von Diskriminierung ernst genommen? Analysiere diese Ergebnisse nach demografischen Gruppen. Der Migros-Konzern in der Schweiz legt beispielsweise grossen Wert auf die interne Mitarbeiterzufriedenheit und fragt dies regelmässig ab, um frühzeitig Probleme zu erkennen. Ein niedriger Inclusion Score bei Frauen in der IT-Abteilung, selbst wenn deren Anteil passt, zeigt, dass die Arbeit noch lange nicht getan ist.
6. Implementierung und Reporting umsetzen
Alle diese KPIs sind nutzlos, wenn sie im Elfenbeinturm von HR gesammelt werden. Sie müssen in die Köpfe der Entscheidungsträger und in den täglichen Prozess implementiert werden. Das bedeutet: Regelmäßiges Reporting an das Management, aber auch an die jeweiligen Abteilungsleiter. Ein Dashboard, das diese KPIs übersichtlich darstellt, ist hier unerlässlich. Power BI, Tableau oder auch spezialisierte HR-Analytics-Tools können hier gute Dienste leisten.
Schule deine Recruiter und Hiring Manager im Umgang mit diesen Daten und vor allem in der Interpretation. Es geht nicht darum, sie an den Pranger zu stellen, sondern darum, ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben, um bessere Entscheidungen zu treffen. Sensibilisiere sie für Unconscious Biases und biete Trainings an. Sei transparent mit den Daten und zeige sowohl Erfolge als auch Herausforderungen auf. Nur so entsteht ein Bewusstsein und eine Kultur, die Diversity und Inklusion nicht als Last, sondern als Chance begreift.
Mein Rat
Diversity Hiring ist kein nettes Add-on, sondern eine strategische Notwendigkeit. Aber es braucht einen methodischen Ansatz und aussagekräftige KPIs, um den Erfolg zu messen und nicht im Blindflug zu agieren. Vom diversen Bewerber-Pool über die Conversion Rates im Prozess bis hin zur Quality of Hire und Retention: Jeder Schritt muss analysiert und optimiert werden. Nur wer weiss, wo er steht und wohin er will, kann seinen Kurs korrigieren und das Schiff in die richtige Richtung steuern. Das ist mein fester Glaube.
Häufige Fragen
Warum ist es so wichtig, Diversity Hiring messbar zu machen?
Ohne Messbarkeit bleibt Diversity Hiring ein guter Wunsch, aber kein strategisches Ziel. KPIs helfen, den Erfolg zu quantifizieren, Engpässe zu identifizieren und Ressourcen gezielt einzusetzen. So wird aus einer Initiative eine nachhaltige Strategie.
Welche Datenpunkte sollte ich mindestens tracken, um Diversity im Bewerber-Pool zu messen?
Du solltest mindestens Geschlecht, Alter und Herkunft/Nationalität erfassen. Wichtig ist, dies auf freiwilliger Basis, anonymisiert und aggregiert zu tun, unter Einhaltung der Datenschutzbestimmungen. Dies gibt dir eine erste Vorstellung von der Vielfalt deiner eingehenden Bewerbungen.
Was mache ich, wenn meine Conversion Rates für diverse Kandidaten niedrig sind?
Niedrige Conversion Rates deuten auf Probleme im Auswahlprozess hin. Analysiere jede Stufe: Wer screent Bewerbungen? Welche Kriterien werden verwendet? Sind Hiring Manager für Unconscious Biases geschult? Erwäge anonymisierte Bewerbungsprozesse oder standardisierte Interviewfragen, um Objektivität zu erhöhen.
Wie kann ich die Quality of Hire von diversen Kandidaten messen, um den langfristigen Erfolg zu bewerten?
Die Quality of Hire kann über mehrere Indikatoren gemessen werden: Performance im ersten Jahr, Feedback von Vorgesetzten und Kollegen, Erreichen von Zielvereinbarungen oder Beförderungsraten. Vergleiche diese Metriken nach demografischen Gruppen, um zu sehen, ob diverse Teams genauso oder sogar besser performen.
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