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    Bewerbung in Österreich, die feinen Unterschiede zu Deutschland

    9. Mai 2026
    Bewerbung in Österreich, die feinen Unterschiede zu Deutschland

    Wer aus Deutschland nach Österreich wechselt, denkt oft, eine Bewerbung sei eins zu eins übertragbar. Gleiche Sprache, ähnliche Kultur, gemeinsamer Arbeitsmarkt, was soll schon anders sein? Viel. Wer als Deutsche:r mit einer typisch deutschen Bewerbung in Wien oder Salzburg auf den Markt geht, wirkt entweder distanziert, überfordert oder unkollegial. Die Unterschiede sind subtil, aber für Personaler:innen sofort spürbar. Hier kommt die ehrliche Einordnung von jemandem, der seit 12 Jahren beide Märkte kennt.

    Die Lohnangabe ist Pflicht, nicht Option

    Seit dem Gleichbehandlungsgesetz 2011 muss in jedem österreichischen Stelleninserat das kollektivvertragliche Mindestgehalt stehen, oft mit dem Hinweis "Bereitschaft zur Überzahlung". Als Bewerber:in wird von dir erwartet, dass du eine konkrete Brutto-Jahresgehaltsvorstellung im Anschreiben nennst, inklusive 14 Monatsgehälter. Wer schreibt "verhandelbar" oder "nach Vereinbarung", wirkt unentschlossen. Recherchiere vorher auf gehalt.at, kununu.at oder im Kollektivvertrag deiner Branche. Eine konkrete Zahl mit einem Satz Begründung wirkt souverän.

    Vierzehn Gehälter, nicht zwölf

    Der österreichische Standard ist 14 Monatsgehälter. Urlaubsgeld im Juni und Weihnachtsgeld im November sind in fast allen Kollektivverträgen verankert und werden begünstigt versteuert. Wer aus Deutschland kommt und in Verhandlungen 50.000 Euro fordert, weil er das so in Berlin gewohnt war, lässt rund 7.000 Euro brutto liegen. Denke immer in 14, nicht in 12.

    Die Anrede: Titel zählen

    Österreich ist titel-affin. Ein "Mag." oder "Dr." gehört in die Anrede, auch dann, wenn er in Deutschland längst weggelassen würde. "Sehr geehrte Frau Mag. Müller" wirkt korrekt, "Sehr geehrte Frau Müller" wirkt etwas zu lässig. In E-Mails kannst du nach dem ersten persönlichen Kontakt zur einfachen Anrede wechseln, aber nicht im Erstkontakt. Im informellen Tech- oder Startup-Umfeld in Wien gelten lockerere Regeln, aber im Zweifel: lieber zu höflich als zu locker.

    Das Anschreiben ist kürzer

    Während ein deutsches Anschreiben oft eine vollständige Seite füllt, erwarten österreichische Personaler:innen meist 3 bis 4 prägnante Absätze. Der Lebenslauf darf maximal 2 Seiten haben, bei jüngeren Bewerbern oft nur 1 Seite. Ein zu langes Anschreiben wirkt umständlich. Komme schnell zum Punkt: Warum dieses Unternehmen, warum diese Stelle, warum du, dein Lohnwunsch, dein Eintrittsdatum.

    Foto: ja, aber dezent

    Im Gegensatz zu Deutschland, wo das Foto langsam optional wird, ist es in Österreich noch fast immer Standard. Aber: Ein steifes Studio-Foto wirkt veraltet. Aktuelle, freundliche Headshots vor neutralem Hintergrund sind die Norm. Business-Casual statt strenger Anzug. Wer als Frau ein zu strenges, zu förmliches Foto wählt, wirkt distanziert. Wer als Mann ein Selfie verwendet, wirkt unprofessionell.

    Sprache: Achte auf die Wörter

    Es heißt "Bewerbung", nicht "Application Documents". Es heißt "Maturazeugnis", nicht "Abitur". Es heißt "Praktikum" und nicht "Internship". Wer mit deutschen Begriffen wie "Abi" oder "Realschule" hantiert, signalisiert mangelnde Anpassung. Übersetze deine Schul- und Studienabschlüsse in die österreichischen Äquivalente. Auch typisch deutsche Begriffe wie "Ausbildung im dualen System" benötigen oft eine Erklärung, weil das österreichische Lehrlings-System anders strukturiert ist.

    Das Anmelde-Foto im Lebenslauf

    Behörden, Ärzte, Wohnungsanmeldung, Österreich ist formaler als sich Deutsche oft vorstellen. Wenn du planst, dauerhaft zu wechseln, dann erwähne im Anschreiben aktiv deinen Plan zur Anmeldung des Hauptwohnsitzes in Österreich. Das signalisiert Verbindlichkeit und reduziert die Sorge des Personalers, du würdest nach drei Monaten wieder nach Deutschland verschwinden.

    Mein Rat

    Bewerbung in Österreich ist kein Übersetzungsprojekt, sondern ein Anpassungsprojekt. Wer die feinen kulturellen Unterschiede ernst nimmt, hat es leichter als jeder andere Bewerber, weil die Sprache schon passt. Wer sie ignoriert, verschenkt Chancen, ohne zu verstehen, woran es lag. Wenn du gezielt nach Österreich wechseln möchtest, und ich kenne den Markt aus erster Hand, ich lebe und arbeite hier, dann unterstütze ich dich gerne mit der ortsspezifischen Anpassung deiner Unterlagen.

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