KI-generiertIn meinem Terminkalender stehen fast täglich Gespräche mit Top-Managern aus Basel, Zürich, München oder Wien. Egal ob wir über eine Gehaltsverhandlung bei Roche sprechen, den nächsten Karriereschritt bei der Deutschen Bank planen oder das Profil für Siemens aufpolieren, am Ende landen wir immer bei LinkedIn. Xing fällt in diesen Runden so gut wie nie als Begriff, was bei der rasanten Entwicklung von LinkedIn in den letzten Jahren auch kaum verwundert.
Trotzdem erreicht mich immer wieder die Frage, ob man das Xing-Profil jetzt eigentlich löschen soll oder ob die Plattform noch irgendeine Relevanz besitzt. Meine Standardantwort war lange Zeit ein klares Nein, es sei denn, man bewegt sich in einer ganz speziellen Nische. Um eine wirklich fundierte Antwort zu geben, habe ich mir die aktuellen Zahlen genauer angeschaut, mein Netzwerk aus Recruitern befragt und die eigenen Praxisfälle analysiert.
Die Wahrheit ist, dass Xing keineswegs tot ist. Die Plattform hat sich vielmehr gesundgeschrumpft, neu positioniert und ist für viele Nutzer unsichtbar geworden, obwohl sie in bestimmten Kontexten nach wie vor ihre Daseinsberechtigung hat.
Der unaufhaltsame Aufstieg von LinkedIn in Zahlen
Die globalen Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache. LinkedIn, das zum Microsoft-Konsortium gehört, zählt weltweit über 1 Milliarde Mitglieder, wovon über 20 Millionen auf den DACH-Raum entfallen. Jeden Monat wächst die Plattform weiter und fungiert längst nicht mehr nur als Jobbörse, sondern als gigantisches Content-Netzwerk und wichtiges Werkzeug für Personalberatung sowie Employer Branding. Schwergewichte wie SAP, BMW oder die Erste Bank nutzen LinkedIn intensiv für ihre strategische Kommunikation und die aktive Suche nach Talenten.
Im direkten Vergleich dazu meldet Xing, das zur New Work SE gehört, ebenfalls rund 22 Millionen Mitglieder im DACH-Raum. Diese Zahl stagniert allerdings seit Jahren oder ist sogar leicht rückläufig, während eine internationale Präsenz praktisch nicht existiert. Während LinkedIn global expandiert, konzentriert sich Xing ausschliesslich auf den deutschsprachigen Markt (das ist der erste und gravierendste Unterschied).
Die Content-Schlacht: LinkedIn als Wissensplattform
Der entscheidende Game Changer für LinkedIn war der Wandel von der reinen Lebenslauf-Datenbank hin zum echten Content-Netzwerk. Branchenexperten, CEOs und Leader teilen hier täglich ihre Analysen und Erfahrungen. Ich selbst nutze die Plattform intensiv, um meine Perspektiven zu teilen, sei es zu Gehaltsverhandlungsprozessen bei Novartis oder zu Bewerbungsstrategien für den ORF. Diese hohe Dichte an relevanten Inhalten bindet eine aktive Nutzerschaft, die sich fortbilden und austauschen möchte.
Xing hat zwar versucht, mit einer eigenen Content-Strategie nachzuziehen, konnte aber nie die nötige Dynamik entfalten. Die Beiträge erzielen selten nennenswerte Reichweiten, und die Diskussionen bleiben oft an der Oberfläche, weil die kritische Masse an aktiven Thought Leadern fehlt. Die Nutzung von Xing ist im Vergleich extrem passiv und beschränkt sich meist auf die reine Jobsuche. Wenn du willst, dass das ein Profi übernimmt, kannst du deine deine Bewerbung schreiben lassen.
Recruiting: Wo die Headhunter fischen
Für Personaler und Headhunter ist LinkedIn heute das Werkzeug der ersten Wahl. Die Plattform bietet präzise Suchfunktionen, eine stets aktuelle Kandidatendatenbank und direkte Kontaktwege. Viele Unternehmen setzen im Employer Branding ausschliesslich auf LinkedIn, da sie dort über LinkedIn Talent Solutions sehr zielgerichtet nach Fähigkeiten, Erfahrungen und kultureller Passung suchen können.
Xing besetzt im Recruiting mittlerweile eine stark regionale Rolle. Gerade bei kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) im ländlichen Raum ist Xing oft noch gesetzt, da dort die Budgets kleiner sind und gezielt nach lokalen Kräften gesucht wird. Wer allerdings internationale Spezialisten oder Top-Führungskräfte sucht (beispielsweise in der IT für Google oder IBM), kommt an den LinkedIn-Recruiter-Lizenzen der grossen Personalberatungen nicht vorbei.
Die Nische von Xing: Regionalität und bestimmte Branchen
Es gibt dennoch Bereiche, in denen Xing weiterhin punktet. Der erste Schwerpunkt ist die Regionalität in ländlichen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Wer eine Stelle als Schreinermeister in Ostfriesland oder einen Steuerberater in einer bayerischen Kleinstadt sucht, findet auf Xing oft noch die besseren lokalen Netzwerke, da die LinkedIn-Dichte in diesen Regionen geringer ist.
Der zweite Schwerpunkt liegt auf traditionellen Branchen wie dem Handwerk und klassischen KMU-Strukturen mit einer älteren Nutzerschaft. Diese Kontakte sind oft über Jahre auf Xing gewachsen und wechseln die Plattform nicht mehr. Wer dieses spezifische, eingespielte Netzwerk sucht, findet dort Kontakte, die auf LinkedIn gar nicht vertreten sind.
Premium-Angebote und Monetarisierung: Ein ungleiches Rennen
Beide Netzwerke wollen mit Premium-Modellen Geld verdienen. LinkedIn Premium bietet echten Mehrwert durch erweiterte Suchen, tiefe Einblicke in Profilbesuche, den Zugang zu LinkedIn Learning und InMails. Für meine Klienten in der Karriereberatung ist diese Investition, besonders in der Career-Variante, meistens eine klare Empfehlung, um sich strategisch zu positionieren.
Xing hat seine Premium-Dienste in den letzten Jahren stark zusammengestrichen und viele Kernfunktionen entfernt. Durch den schrumpfenden Pool an aktiven Mitgliedern verliert das Xing-Premium-Abo für die meisten Fach- und Führungskräfte an Attraktivität. Das Geld ist in den allermeisten Fällen bei LinkedIn besser investiert.
Die Strategie von New Work SE: Fokus auf Jobs und Bündelung
Die Muttergesellschaft New Work SE hat Xing radikal umgebaut und konzentriert sich nun voll auf das Kerngeschäft der Jobvermittlung. Flankiert wird dies durch die Arbeitgeberbewertungsplattform kununu und den Fokus auf XING E-Recruiting, um den gesamten Job-Lifecycle im DACH-Raum abzudecken.
Dieser Fokus ist ein defensiver Befreiungsschlag gegen die Übermacht von LinkedIn. Für Unternehmen, die eine rein deutschsprachige Komplettlösung für Recruiting suchen, kann das Portfolio zwar interessant sein, ob die Aktivität der Nutzer langfristig ausreicht, um gegen die globale Dominanz von LinkedIn zu bestehen, bleibt jedoch fraglich.
Mein Blick auf die beiden Plattformen im direkten Vergleich
Xing ist im Jahr 2026 kein echter Konkurrent mehr für LinkedIn, wenn es um Karriereentwicklung, globales Networking und Personal Branding geht. Für einen Manager bei der Migros in Zürich oder einen Ingenieur bei Siemens in München führt an LinkedIn kein Weg vorbei. Xing hat sich in eine Nische für regionale Kontakte, traditionelle Branchen und ländliche KMU zurückgezogen, die man im Einzelfall kennen sollte, aber das Profil zu löschen ist meistens gar nicht nötig, ein passiv gepflegtes Profil reicht vollkommen aus.
Lass uns doch mal direkt auf LinkedIn vernetzen und schauen, was wir aus deinem Profil herausholen können.
Häufige Fragen
Ist Xing noch relevant im Jahr 2026?
Für die meisten Karriereziele und den Aufbau eines professionellen Netzwerks im DACH-Raum ist LinkedIn präferiert. Xing behält Relevanz in sehr spezifischen Nischen: regionale Vernetzung, traditionelle Branchen und KMU in ländlichen Gebieten.
Welche Vorteile bietet LinkedIn gegenüber Xing?
LinkedIn hat eine globale Reichweite, über eine Milliarde Mitglieder, eine stärkere Content-Plattform und wird von Headhuntern und Unternehmen primär für Recruiting und Employer Branding genutzt. Die Suchfunktionen sind überlegen.
Für welche Zielgruppe ist Xing noch nützlich?
Xing kann für Personen im Handwerk, in manchen traditionellen Mittelstandsbranchen oder für die lokale Jobsuche in kleineren Städten und ländlichen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz noch von Nutzen sein.
Sollte ich mein Xing-Profil löschen, wenn ich auf LinkedIn aktiv bin?
Ich empfehle, ein Xing-Profil beizubehalten, wenn es einmal erstellt wurde. Es erfordert kaum Pflege und könnte immer noch für unerwartete lokale Kontaktanfragen nützlich sein, auch wenn der Fokus klar auf LinkedIn liegen sollte. Eine reine Inaktivität auf Xing schadet nicht.
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