KI-generiertWenn du dich in der Schweiz bewirbst oder deinen ersten Arbeitsvertrag aus Zürich, Basel oder Genf vor dir hast, merkst du schnell, dass vieles anders geregelt ist als in Deutschland oder Österreich. Die Schweiz hat einen liberalen Arbeitsmarkt. Das klingt für viele zunächst bedrohlich, bringt aber auch Flexibilität. Grundlage der meisten Arbeitsverhältnisse ist das Obligationenrecht (OR), dazu kommt das Arbeitsgesetz. Wer die Regeln kennt, verhandelt besser und unterschreibt nichts, was er später bereut. Hier die wichtigsten Grundlagen.
1. Die Probezeit und die Freiheit der Kündigung
Die Probezeit ist in der Schweiz kürzer und flexibler als in Deutschland. Nach Art. 335b OR gilt der erste Monat als Probezeit, wenn nichts anderes vereinbart ist. Durch schriftliche Abrede kann sie auf höchstens drei Monate verlängert werden, was in vielen Verträgen üblich ist. Während der Probezeit beträgt die Kündigungsfrist sieben Tage. Beide Seiten können das Arbeitsverhältnis also innerhalb einer Woche beenden. Die besonderen Sperrfristen bei Krankheit, Unfall oder Schwangerschaft gelten in der Probezeit noch nicht, was viele überrascht.
Diese Flexibilität wirkt in beide Richtungen: Hält der Job nicht, was er verspricht, kommst du auch selbst schnell wieder heraus. Wichtig: Fällst du während der Probezeit wegen Krankheit oder Unfall aus, verlängert sich die Probezeit um diese Zeit. So haben beide Seiten tatsächlich die vereinbarte Zeit, um sich kennenzulernen.
2. Kündigungsfristen nach der Probezeit
Nach der Probezeit gelten die ordentlichen Kündigungsfristen. Sagt dein Vertrag nichts anderes, beträgt die Frist nach Art. 335c OR im ersten Dienstjahr einen Monat, vom zweiten bis zum neunten Dienstjahr zwei Monate und danach drei Monate, jeweils auf das Ende eines Monats. In Verträgen für Fach- und Führungskräfte sind drei Monate zum Monatsende häufig. Das schützt den Arbeitgeber vor plötzlichem Know-how-Verlust und gibt dir Zeit für die Suche nach einer neuen Stelle.
Ein wichtiges Detail ist der Kündigungstermin. In Deutschland ist die Grundkündigungsfrist vier Wochen zum 15. oder zum Monatsende, in der Schweiz endet das Arbeitsverhältnis ohne andere Abrede auf das Ende eines Monats. Kündigst du mit drei Monaten Frist und geht deine Kündigung am 2. Juli beim Arbeitgeber ein, endet dein Vertrag erst am 31. Oktober. Entscheidend ist der Zugang beim Empfänger, nicht der Poststempel. Übergib das Schreiben deshalb persönlich gegen Unterschrift oder schick es so, dass du den Zugang belegen kannst.
3. Der gesetzliche Ferienanspruch und Feiertage
Bei den Ferien liegen Schweizer Arbeitgeber oft unter dem, was viele aus Deutschland kennen. Nach Art. 329a OR stehen dir mindestens vier Wochen Ferien pro Jahr zu, bis zum vollendeten 20. Altersjahr fünf Wochen. Viele Arbeitgeber gewähren mehr. Es ist völlig legitim, im Bewerbungsprozess nach den Ferien zu fragen, sie gehören zum Gesamtpaket. Auch die vertragliche Wochenarbeitszeit liegt in der Schweiz oft höher als in Deutschland, vergleiche das bei Angeboten mit. Wenn du dir den Aufwand sparen willst, kannst du deine Bewerbung schreiben lassen.
Feiertage sind in der Schweiz größtenteils kantonal geregelt. Für Zuziehende ist das oft verwirrend. Landesweit gilt der 1. August, der Bundesfeiertag. Viele weitere Feiertage unterscheiden sich je nach Kanton, manche Städte kennen zusätzlich freie Nachmittage zu lokalen Anlässen. Maßgebend sind in der Regel die Feiertage an deinem Arbeitsort. Manche Firmen schließen zwischen Weihnachten und Neujahr, diese Tage werden dann oft mit Ferien oder Überstunden ausgeglichen.
4. Überstunden und Überzeit verstehen
Ein Thema, das regelmäßig zu Missverständnissen führt, ist der Unterschied zwischen Überstunden und Überzeit. Überstunden sind Stunden über die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit hinaus, aber unterhalb der gesetzlichen Höchstarbeitszeit. Diese liegt nach Arbeitsgesetz für Büropersonal, technische und andere Angestellte sowie für Industriebetriebe bei 45 Stunden pro Woche. Was darüber hinausgeht, ist Überzeit. Überstunden werden nach Art. 321c OR mit Freizeit gleicher Dauer ausgeglichen, wenn beide einverstanden sind, oder mit einem Zuschlag von 25 Prozent bezahlt. Diese Regel kann schriftlich wegbedungen werden, was in Verträgen für höhere Positionen häufig vorkommt.
Überzeit ist strenger geregelt. Für Büropersonal und technische Angestellte ist ein Lohnzuschlag von 25 Prozent nach dem Arbeitsgesetz vorgesehen, soweit die Überzeit 60 Stunden im Kalenderjahr übersteigt und nicht durch Freizeit ausgeglichen wird. Prüfe beim Vertrag genau, wie Mehrarbeit geregelt ist, damit du am Jahresende nicht viele Stunden ohne Ausgleich geleistet hast.
5. Lohnfortzahlung und Sozialversicherungen
Was passiert, wenn du krank wirst? Nach Art. 324a OR zahlt der Arbeitgeber den Lohn nur für eine beschränkte Zeit weiter: im ersten Dienstjahr mindestens drei Wochen, danach für eine angemessene längere Dauer, die sich in der Praxis nach regionalen Skalen richtet (Berner, Zürcher oder Basler Skala). Viele Arbeitgeber schließen deshalb eine Krankentaggeldversicherung ab, die oft einen großen Teil des Lohns über einen längeren Zeitraum zahlt. Eine allgemeine gesetzliche Pflicht dazu gibt es nicht, manche Gesamtarbeitsverträge schreiben sie aber vor. Prüfe im Vertrag, ob eine solche Versicherung besteht, was sie leistet und wer die Prämien zahlt.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Altersvorsorge mit drei Säulen: AHV, Pensionskasse (berufliche Vorsorge) und private Vorsorge. Beiträge für AHV und Pensionskasse werden vom Lohn abgezogen, um die dritte Säule kümmerst du dich selbst. Die Leistungen der Pensionskassen unterscheiden sich je nach Arbeitgeber, manche zahlen mehr als das gesetzliche Minimum ein. Das kann wichtiger sein als ein paar Franken mehr Bruttolohn, weil es dein Altersguthaben und deine Absicherung bei Invalidität beeinflusst. Vergleiche bei Angeboten deshalb das ganze Paket.
6. Das Arbeitszeugnis als wichtigstes Dokument
In der Schweiz hat das Arbeitszeugnis einen sehr hohen Stellenwert. Nach Art. 330a OR kannst du jederzeit ein Zeugnis verlangen, also auch ein Zwischenzeugnis. Es soll wahr und wohlwollend sein und über Art und Dauer der Tätigkeit sowie über Leistung und Verhalten Auskunft geben. Schweizer Personaler lesen genau, Formulierungen wie "Er war stets bemüht" fallen auch hier negativ auf.
Auf deinen Wunsch hin muss sich das Zeugnis auf Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses beschränken, man spricht dann von einer Arbeitsbestätigung. Das ist eher die Ausnahme, etwa wenn ein volles Zeugnis schaden würde. Sinnvoll ist, nach einem Wechsel der Führungskraft oder nach einigen Jahren ein Zwischenzeugnis zu verlangen. Bei einer Bewerbung in der Schweiz werden deine Zeugnisse genau auf Lücken und Formulierungen geprüft.
7. Kündigungsschutz und Missbrauch
Trotz des liberalen Systems bist du nicht schutzlos. Nach Ablauf der Probezeit gelten nach Art. 336c OR Sperrfristen: Bist du ohne eigenes Verschulden wegen Krankheit oder Unfall arbeitsunfähig, darf dir der Arbeitgeber im ersten Dienstjahr während 30 Tagen, ab dem zweiten bis und mit fünften Dienstjahr während 90 Tagen und danach während 180 Tagen nicht kündigen. Während der Schwangerschaft und in den 16 Wochen nach der Geburt besteht ebenfalls eine Sperrfrist. Eine Kündigung während einer Sperrfrist ist nichtig und müsste danach neu ausgesprochen werden.
Zudem kennt die Schweiz die missbräuchliche Kündigung (Art. 336 OR), etwa wenn dir gekündigt wird, weil du berechtigte Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis geltend machst, oder wegen einer persönlichen Eigenschaft wie deiner Religion. Die Kündigung bleibt dann zwar wirksam, du kannst aber eine Entschädigung von bis zu sechs Monatslöhnen verlangen. Den Missbrauch zu beweisen, ist allerdings oft schwierig.
Fazit
Das Schweizer Arbeitsrecht setzt stark auf Eigenverantwortung. Für dich heißt das: mehr Freiheit, aber auch mehr Bedarf, dich zu informieren. Wer Kündigungsfristen, Überstundenregeln und Lohnfortzahlung kennt, geht sicherer in Vertragsverhandlungen. Achte auf das Kleingedruckte und sprich Unklarheiten an, bevor du unterschreibst.
Hinweis: Dieser Artikel ist eine allgemeine Einschätzung mit Stand Oktober 2026 und ersetzt keine Rechtsberatung. Abweichende Regeln können sich aus Gesamt- oder Normalarbeitsverträgen ergeben.
Häufige Fragen
Kann die Probezeit in der Schweiz länger als drei Monate dauern?
Nein, vertraglich sind höchstens drei Monate möglich. Fällst du während der Probezeit wegen Krankheit oder Unfall aus, verlängert sie sich um diese Zeit.
Gibt es in der Schweiz einen gesetzlichen Anspruch auf ein 13. Monatsgehalt?
Nein, ein gesetzlicher Anspruch besteht nicht. Ein 13. Monatslohn ist in der Schweiz aber verbreitet und oft in Gesamt- oder Einzelarbeitsverträgen vereinbart. Maßgebend ist, was in deinem Vertrag steht.
Wie hoch ist die maximale wöchentliche Arbeitszeit laut Gesetz?
Nach dem Arbeitsgesetz beträgt sie für Arbeitnehmende in industriellen Betrieben sowie für Büropersonal, technische und andere Angestellte 45 Stunden pro Woche, für die übrigen Arbeitnehmenden 50 Stunden.
Darf mein Arbeitgeber mir ohne Angabe von Gründen kündigen?
Ja, in der Schweiz herrscht Kündigungsfreiheit. Der Arbeitgeber muss die Kündigung zwar auf Verlangen schriftlich begründen, aber er braucht keinen speziellen Grund wie beispielsweise betriebliche Erfordernisse oder Fehlverhalten, solange die Kündigung nicht missbräuchlich ist.
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