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    Schweiz

    Schweizer Arbeitszeugnis: Formulierungen verstehen und mitgestalten

    29. August 2026
    Schweizer Arbeitszeugnis: Formulierungen verstehen und mitgestaltenKI-generiert

    In der Schweiz wird das Arbeitszeugnis bei Bewerbungen genau gelesen. Oft ist von einer Geheimsprache die Rede. Tatsächlich gibt es keine festen Codes mit verborgener Bedeutung, wohl aber Formulierungen, die unterschiedlich stark loben. Wer sie kennt, kann sein eigenes Zeugnis besser einschätzen und es aktiv mitgestalten.

    Der rechtliche Rahmen

    Geregelt ist das Arbeitszeugnis in Art. 330a des Obligationenrechts. Du kannst jederzeit ein Zeugnis verlangen, das über Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses sowie über deine Leistungen und dein Verhalten Auskunft gibt. Das ist das sogenannte Vollzeugnis. Auf deinen ausdrücklichen Wunsch beschränkt es sich auf Art und Dauer. Dann spricht man von einer Arbeitsbestätigung.

    Nach der Rechtsprechung soll ein Zeugnis wahr und wohlwollend sein. Es muss den Tatsachen entsprechen und soll dein berufliches Fortkommen nicht unnötig erschweren. Beides kann manchmal in Spannung stehen. Wesentliche Mängel darf ein Arbeitgeber in sachlicher Form nennen, einmalige Vorfälle, die das Gesamtbild nicht prägen, gehören in der Regel nicht hinein.

    Abgestufte Formulierungen

    Eine offizielle Notenskala gibt es nicht. In der Praxis unterscheiden sich Formulierungen aber deutlich in ihrer Aussagekraft. "Sie hat die Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erfüllt" ist eine sehr gute Beurteilung. "Sie hat die Aufgaben zu unserer Zufriedenheit erfüllt" ist deutlich zurückhaltender. Wörter wie "stets" und "jederzeit" verstärken eine Aussage. Fehlen sie, wirkt das Lob schwächer.

    Aufmerksam solltest du auch werden, wenn wichtige Punkte ganz fehlen. Steht nichts über das Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen oder Kundschaft, kann das Fragen aufwerfen. Entscheidend ist immer das Gesamtbild, nicht ein einzelnes Wort.

    Die Schlussformel

    Viele Zeugnisse enden mit Dank, Bedauern über den Weggang und guten Wünschen, etwa: "Wir bedauern ihren Weggang und danken ihr für die wertvolle Zusammenarbeit. Für ihre berufliche und private Zukunft wünschen wir ihr alles Gute." Fehlt eine solche Formel oder fällt sie sehr knapp aus, kann das bei manchen Lesern Fragen aufwerfen.

    Das eigene Zeugnis mitgestalten

    Du musst nicht passiv abwarten. Sprich frühzeitig mit deiner vorgesetzten Person und gib ihr eine Übersicht über deine wichtigsten Aufgaben, Projekte und Ergebnisse. Viele Arbeitgeber sind auch offen dafür, dass du einen Entwurf vorschlägst. Prüf das fertige Zeugnis sorgfältig: Sind die Aufgaben vollständig beschrieben, ist die Leistungsbeurteilung stimmig, fehlt etwas Wichtiges? Wenn etwas nicht deiner tatsächlichen Leistung entspricht, sprich es sachlich an und schlag konkrete Alternativen vor. Bei Uneinigkeit kann rechtliche Beratung sinnvoll sein.

    Ein Zeugnis systematisch lesen

    Geh beim Lesen Schritt für Schritt vor. Handelt es sich um ein Zwischen- oder Schlusszeugnis? Sind Dauer, Funktion und Aufgaben vollständig und präzise beschrieben? Wie fällt die Beurteilung von Leistung und Verhalten aus, und passt sie zu den beschriebenen Aufgaben? Wie endet das Zeugnis? So bekommst du ein realistisches Bild, ohne in einzelne Wörter zu viel hineinzulesen. Mehr zur Einordnung findest du im Beitrag Arbeitszeugnis in der Schweiz ehrlich lesen.

    Fazit

    Das Schweizer Arbeitszeugnis ist ein rechtlich geregeltes Dokument, das wahr und wohlwollend sein soll. Lies es systematisch, achte auf das Gesamtbild und gestalte es aktiv mit. Wenn du dein Zeugnis prüfen lassen willst, findest du mehr unter Arbeitszeugnis prüfen.

    Hinweis: Dieser Artikel ist eine allgemeine Einschätzung und keine Rechtsberatung. Für deinen Einzelfall wende dich an eine Fachperson. Stand Oktober 2026.

    Häufige Fragen

    Was ist der Unterschied zwischen Vollzeugnis und Arbeitsbestätigung?

    Die Arbeitsbestätigung nennt nur Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses. Das Vollzeugnis beurteilt zusätzlich Leistung und Verhalten. Nach Art. 330a OR bekommst du eine Arbeitsbestätigung nur auf deinen ausdrücklichen Wunsch.

    Welche Formulierung steht für eine sehr gute Beurteilung?

    Eine offizielle Notenskala gibt es nicht. Als sehr gut gelten Formulierungen wie "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit", ergänzt durch ein durchweg positives Bild von Verhalten und Engagement.

    Kann ich mein Arbeitszeugnis mitgestalten?

    Ja. Gib deiner vorgesetzten Person eine Übersicht über deine Aufgaben und Erfolge, schlag bei Bedarf einen Entwurf vor und sprich Punkte, die nicht stimmen, sachlich an.

    Was bedeutet es, wenn die Schlussformel fehlt?

    Fehlen Dank, Bedauern oder gute Wünsche, kann das bei manchen Lesern Fragen aufwerfen. Wenn dir die Schlussformel wichtig ist, sprich deinen Arbeitgeber freundlich darauf an.

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